Der Vorläufer des 'Schweizer Taschenmessers' ?

Feuerstein (Flint, Silex), der wichtigste Rohstoff für Werkzeuge in der Steinzeit, entstand europaweit in kreidezeitlichen Ablagerungen vor ca. 100 Millionen Jahren. Aufgrund seiner grossen Härte (7 nach Mohs-Skala) und seinem vielfältigen Verwendungszweck gilt er zurecht als ‚Stahl der Steinzeit'.

Entstehung
Flint entstand durch Auflösungsprozesse von Kieselsäure. Kieselschwämme und -algen bevölkerten in Massen die Meere der Kreidezeit. Aus ihren Ablagerungen, den anorganischen Resten und den Kalkschalen, bildeten sich im Laufe der Zeit riesige Mengen von Feuerstein.

Geschichte
Die ersten Steinwerkzeuge wurden vermutlich vor etwa 2,5 Millionen Jahren von Homo habilis, dem ‚geschickten Menschen', bearbeitet. Wurden in der Frühzeit obererdig gefundene Steine aufgesammelt, änderte sich im Laufe der Zeit die Beschaffung des Rohmaterials. Analysen ergaben für die ersten im Bergbau gewonnenen Steine ein Alter von ca. 350.000 Jahren (Tabun-Höhle im Karmelgebirge südlich von Haifa/Israel). Feuerstein, der auf diese Weise gewonnen wurde, war härter und liess sich leichter zu rasiermesserscharfen Werkzeugen bearbeiten als das spröde, an der Erdoberfläche gefundene ‚gealterte' Material.

Verwendung
Eine Schäftung des Werkzeugs bietet sich immer an, wenn auf eigene Sicherheit, Funktionalität oder Komfort geachtet werden muss. Mit der Flintspitze am Speerschaft blieb man dem möglicherweise gefährlichem Beutetier vom Leibe und umgekehrt. Eine Steinaxt ohne Schäftung ist weit weniger effektiv und eine Messerklinge im Holzbett lässt sich besser handhaben und schneidet nicht mit der Rückseite in die eigenen Finger.

Baubeschreibung
Den hier abgebildeten Feuersteinabschlag habe ich aus Ramioul/Belgien mitgebracht. Er hat eine Länge von 80 Millimetern und eine Breite von 19 Millimetern. Als Klingenschäftung wählte ich zwei Rindenstücke (108 x 24 mm) eines gefällten Birnbaums. Auf den Innenseiten dieser Streifen wurden rechteckige Mulden geschabt, deren Länge die der Klinge entspricht. Zusammengeklebt, z. B. mit Birkenpech, ergibt das einen flachen Griff mit einer Tasche, in welche die Klinge eingesetzt werden kann. Die Klebung erfolgt durch Einfüllen von erhitztem Birkenpech in die Tasche und dem anschliessenden Eindrücken der Klinge. Die Hanfschnurwicklung an den Enden stabilisiert diese ausgereifte :-) Konstruktion.


Eine informative Seite für weitergehend Interessierte:

Prof. Blumes Bildungsserver für Chemie / Uni Bielefeld
(Feuerstein und Pyrit, dann weiter über Inhaltsverzeichnis)