Auf dieser Seite werden Speerschleuder verschiedener Bauformen dargestellt. Ich gehe hier nicht auf Einzelheiten ein. Die Abbildungen sind vielmehr als Anregung gedacht, wir ihr demnächst eure Schleudern gestalten könntet. Der Versuch eines genauen Nachbaus wird vermutlich nicht wie vorgestellt verlaufen, da jeder Ast seine individuellen Eigenschaft und Form besitzt, auf die man bei der Anfertigung seiner eigenen Schleuder eingehen muss.
 
 
 

Diese Schleuder zeigt sich gewollt 'primitiv'. Sie enstand aus der Gabelung eines Astes der Eberesche (siehe Bild rechts aussen). Das Holz wurde nicht geschliffen, sondern nur mit einer Messerklinge grob geschabt und anschliessend geölt. Bauartbedingt ungünstig wirkt sich hier das grosse Gewicht des Hakenendes und der dementsprechend geringe Griffdurchmesser aus. Das Gewicht der Schleuder beträgt 150 Gramm bei einer Gesamtlänge von 54 Zentimetern.
Eine Speerschleuder ähnlicher oder gleicher (?) Bauart ist kurz in der ZDF-Dokumentation "Wunderbare Welten - Eiszeit - Aufbruch ins Ungewisse" aus dem Jahre 2003 zu sehen.

 
 
 
 

Die hier abgebildete Speerscheuder wurde aus dem Astausschag einer Robinie gefertigt. Ich habe den fertigen Schaft mit "Eiche mittel" gebeizt und war anschliessend überrascht über die entstandene kräftige gelbe Farbe.
In den Griffbereich wurden leichte Finderrillen eingebracht. In seiner Form erinnert er in etwa an die Messergriffe im skandinavischen Stil. Die Scheuder ist leicht, stabil und führig und vermittelt in der Hand ein gutes Gefühl.
Das Hakenende besteht aus dem Rehgehörn eines Gabelbockes. Ein Ende wurde im Schaftende eingelassen, das andere dient als Haken für den Wurfspeer. Zur Befestigung mittels dünnen Lederriemen habe ich das Horn zweimal mit einem kleinen Fräser durchbohrt.
Das Gewicht beträgt nur 100 Gramm bei einer Gesamtlänge von 51 Zentimetern.

 
 
 
 
 
 

Bei der hier vorgestellten, elegant aussehenden Speerschleuder versuche ich, neue(?) Wege zu beschreiten. (Falls es nicht funktioniert, mach ich 'nen Schuhanzieher draus...).
Die Schleuder wiegt 120 Gramm bei einer Gesamtlänge von 56 Zentimeter und wurde aus Eibenholz gefertigt. Deutlich lässt sich die Trennung von Kern- und Splintholz erkennen. Bei dem Griffstück wurde ein deutlicher Knauf herausgearbeitet, der beim Abwurf der Hand guten Halt bietet.
Das Hakenende besteht aus der Geweihspitze eines Rothirsches und ist im Schaftende unter der Lederriemen-Umwicklung mit zwei kleinen Kupferbolzen fixiert.
Jetzt kommt das 'Neue': Die Unterseite des Schleuderschaftes ist bis zur Mittte hin abgeflacht. Ich verspreche mir davon einen geschmeidigen, vielleicht "fletschenden" Abwurf. Hierzu sei angemerkt, dass das Profil der Schleuder ein wenig an den Wurfarm eines Bogens erinnert.





 
 
 
 
 
 

Das Schaftmaterial dieser Speerschleuder besteht aus dem Holz des Lebensbaumes (Thuya). Es ist leicht, trotzdem aber stabil. Die Länge beträgt 52 cm bei einem Gewicht von nur 100 Gramm. Um den ursprünglichen Charakter zu erhalten, wurde beim Schaben bzw. Schleifen des Schaftes absichtlich der buckeligen Form der Astansätze nachgegeben.
Das Hakenende besteht aus einem diagonal durchgesägeten Abfallstück eines zylindrischen Geweihabschnittes. Es ist eingesetzt in eine V-förmige Kerbe und mit schwarz eingefärbtem 2-Komponentenklebstoff fixiert.
Diese schwarze Farbe soll eine Verklebung mittels Birkenpech simulieren. Alleskleber lässt sich auch so färben. Da er aber offen liegt, fängt er nach kurzer Zeit an, Schlieren zu bilden. Ich habe allerdings das Gefühl, dass die Klebwirkung nachlässt. Deshalb ist es sinnvoller, nur die Fugen damit zu kaschieren.

 
 
 
 
 
 

Der hier abgebildete Schaft der Speerschleuder besteht aus dem Stämmchen einer wilden Kirsche. Bedingt durch den kompakten Knauf beträgt das Gewicht ca. 180 Gramm bei einer Gesamtlänge von 53 Zentimetern. Der Knauf besteht aus der Rose einer Hirschhorn-Geweihstange. Bei dieser Schleuder habe ich versucht, durch den Knauf und den davorliegenden Formgriff einen besseren Gegenhalt für den Handballen zu erreichen.
Das Hakenende besteht aus aus einem gegabelten Ende eines Rehbockgehörns. Das Schaftende ist von oben durchgebohrt, der kürzere Zinken dort durchgesteckt ('rote Linie') und verklebt. Als zusätzliche Befestigung dient Klempner-Hanf, der mittels Holzleim gebunden wurde.

 
 
 
 
 
 

Das jüngst erwachte Interesse meines Töchterleins am Speerschleudern veranlasste mich, eine etwas geschmückte Version einer Schleuder zu erstellen. Als Vorlage für den Haken diente ein Nachbau aus dem Perigord (siehe unter 'DIVERSES'). Die schlanke Schleuder (,eigentlich passt das nicht zu meiner Tochter,) wiegt nur 110 Gramm bei einer Länge von 54 Zentimetern. Der Schaft besteht aus Wachholderholz.
Der flache Griffknauf aus Walnussholz ist in Wurfrichtung nach rechts unten verlagert. Er stützt dort den Handballen eines Rechtshänders. Um den angeschnitzten Schaftzapfen zu verdecken habe ich dort ein versteinertes Fossil stirnseitig eingelassen und verklebt. Die kurze Lederumwicklung ist ausreichend für einen festen Griff.
Das Hakenende besteht aus aus Büffelhorn, welches im Internethandel als Platte zu beziehen ist (siehe unter 'LINKS - Via Claudia). Nach dem Polieren des Hakens wurde die Gravur mit einer Reissnadel eingeritzt und anschliessend mit weisser Acrylfarbe getupft und sofort wieder abgewischt.
Der Haken sowie das Hakenende besitzen eine Basisabschrägung zum Kleben und sind zusätzlich mit einer Hanfwicklung und Holzleim gesichert.

 
 
 
 
 
 

Mal über den Zaun schauen, ... zum Beispiel gen Südwesten...

Ein Atlatl bezeichnet ursprünglich eine Speerschleuder aus dem mesoamerikanischen Raum, ein Siedlungsgebiet in Mittelamerika. Dieser Bereich beginnt in Mexiko und reicht bis Nicaragua. Zahlreiche Hochkulturen, wie Azteken, Maya und Tolteken waren dort beheimatet.
Das Wort "Atlatl" stammt aus der uto-aztekischen Sprache und wird laut amerikanischer Quelle "at-ul-at-ul" ausgesprochen, eingedeutscht vermutlich "Ett-al-ett-al". Es entstammt der aztekischen Nahuatl-Sprache und ist eine Kombination der Wörter für "Wasser" und "Schleuder". Dadurch wird der hauptsächliche Gebrauch verdeutlicht, die Jagd auf Fische und Wassertiere. Aber auch als Kriegswaffe fand der Atlatl Verwendung. Selbst noch im 16. Jahrhundert machten die Mitstreiter von Kolumbus unliebsame Bekanntschaften mit derart geschleuderten Speeren. Ein Atlatl variiert sehr stark im Aussehen. Das Spektrum reicht von Schäften mit Einlegearbeiten und dreidimensional geschnitzten Ornamenten/Figuren über Schuhanzieher-ähnlichen, löffelartigen Geräten mit Lederschlaufen und Gewichten bis zu Schleudern mit ausgeformten Handgriffen. Charakteristisch scheint bei vielen Typen eine Führungsrinne für den darin ruhenden Speer zu sein, ansonsten sind Funktionsweise und Grösse mit der uns bekannten Speerschleuder entsprechend gleich.

Das Design des hier gezeigten Atlatl stammt von der Internetseite www.thunderbirdatlatl.com und wird dort "Wyalusing" genannt.
Das Gewicht des von mir bebauten Exemplars beträgt 130 Gramm bei einer Gesamtlänge von 69 Zentimetern. Werden die aussenliegenden Überhänge abgezogen, verbleibt eine wirksame Länge von 51 Zentimetern, gemessen vom Dorn bis zu Auflage des Speeres oberhalb des Handgriffs. Die Griffbreite beträgt 25 Millimeter, der Schaft verjüngt sich bis zum Endstück auf 20 Millimeter. Vermutlich wird ein Atlatl aus einem Brett als ganzes Stück gefertigt. Aus Gründen der Handlichkeit beim Bau der geschwungenen Formen habe ich dieses Gerät dreigeteilt. Der Handgriff und das Endstück bestehen aus dunkel gebeiztem Ahorn, der Schaft dazwischen aus Erlenholz (...war gerade greifbar). Die Einzelteile sind mittels Weissleim verklebt, anschliessend verstiftet und mit Hanfschnur umwickelt worden. Der Dorn besteht aus Cocobolo, einem rötlichen tropischen Hartholz. Bedingt durch die beiden Führungsrillen und eine Modifikation am Speerschaft (siehe Zeichnung rechts, z. B. eine darum gewickelte Schnur) lässt sich der Speer auf dieser Schleuder fixieren ohne mit dem Damen und Zeigefinger gestützt zu werden. Der Werfer braucht sich also darum nicht zu kümmern und kann sich deshalb voll auf das Ziel konzentrieren.
Ganz abgesehen von diesem Vorteil(?) finde ich, dass ein solcher Atlatl gut aussieht, ... zumindest exotisch...

 

Eine bemaßte 1:1-Zeichnung des Handgriffs und Endstücks ist im Download-Bereich als PDF-Datei abgelegt

 
 
 
 
 

Wie gewachsen...

Im Herbst diesen Jahres wurde mir zum erstenmal auf einem Trödelmarkt Rentierhorn angeboten. Es handelte sich dabei um eine Lampenumrahmung, bestehend aus einem kompletten Geweih und einer an den Enden darüber gelegten Abwurfstange. So entstand ein gleichseitiges Dreieck aus dessen Mitte eine Glühbirne höchst verlassen hervorlugte. Die Bohrungen, welche die Geweihstangen an den Enden zusammenhielten, waren nebensächlich, da dieses Leuchtmittel sowieso der Säge zum Opfer fallen sollte.
Inspiriert durch das Computerspiel 'Das Geheimnis der vergessenen Höhle', ein vollkommen unblutiges, schön gezeichnetes Abenteuer, fand sich ein gerader Bereich an einer der Stangen, der sich für den Bau einer Speerschleuder anbot. Knochenzapfen und überzählige Geweihenden wurden abgeschnitten und geglättet. An der vorderen Schaufel wurde eine Auskerbung angebracht, die das Hakenende der Schleuder bildet. Das Gewicht dieses Instrumentes beträgt 270 Gramm bei einer gesamten Länge von 53 Zentimetern.
Mit dem Gerät sind aufgrund der relativ hohen Gewichtes kraftvolle Würfe möglich. Ich musste allderdings feststellen, dass der Griffbereich aufgrund der Rundung der beginnenden hinteren Schaufelbildung wohl eher für einen Linkshänder geeignet ist. In der rechten Hand gehalten ist der Griff umbequem und rollt seitlich während des Wurfes. Also beim Bau vorher darauf achten, welche Seite des Geweihs Verwendung finden soll.
Abschliessend möchte ich bemerken, dass mir Schleudern aus Holz lieber sind. Es gibt hier eine grössere Auswahl an Form und Grösse, die Gestaltungsmöglichkeiten sind hierbei deshalb auch wesentlich besser.


...und weil ich noch Platz habe, einige Bemerkungen zum Rentier:

Das Ren (Rangifer tarandus), in den Tundren lebend, ist der einzige Vertreter der Hirsche (Cervidae), bei dem auch weibliche Tiere ein Geweih tragen. Das Geweih ist höchst unregelmässig geformt, bei den Männchen hat es eine Länge von 50-130 cm, bei den Weibchen ist es deutlich kleiner. Es werden 10-20 Unterarten unterschieden. Je nach Art erreichen die Tiere eine Länge von 120 bis 220 cm bei einem Gewicht von 60 bis 300 kg. Die breiten Hufe verhindern Einsinken im Morast oder Schnee. Zu den jahreszeitlichen Wanderungen (z. B. in Alaska) können sich mehrere hunderttausend Tiere zu Herden zusammenschliessen.
Rentiere gehörten schon seit Vorzeiten zur begehrten Jagdbeute des Menschen, der seine Beute vollkommen nutzte. Leder, Geweih, Knochen, Sehnen waren genauso überlebenswichtig wie das Fleisch. Mit der Zeit wurde das Ren domestiziert. Die Rentierzucht wird heute u. a. von den lappländischen Samen betrieben, die Herden wandern frei und die Menschen folgen nomadisch.

...und merke auf:
Rotnasige und rotgeweihte Rentiere sind extrem selten! :-)

 
 
 
 
 
 

Ein bissel 'Kunst' gefällig?

Die hier abgebildete Speerschleuder besitzt eine Länge von 60 Zentimetern bei einem Gewicht von 180 Gramm. Der Schaft besteht aus Birke, einem auch früher verbreitetem Holz, das sich aufgrund seiner geschlossenen Oberfläche gut polieren lässt. Das Hakenende aus Rentierhorn ist mit einer einseitigen Basisabschrägung versehen und mittels Leinflachs und Weissleim am Holzschaftende befesigt. Die Ledermanschette wird passend zurechtgeschnitten und die Naht vorgelocht. Anschliessend wird sie gut durchnässt, um den Schaft gelegt und mit einer Sattlernaht vernäht.
Die Entnahmestelle für das Hakenende ist eine Geweihgabelung. Hier entsteht zwischen den Gabeln eine Platte aus Horn, ähnlich der Schwimmhaut an den Füssen eines Wasservogels. Die einseitige Gravur soll einen Mammut darstellen. Ich habe hierbei auf einen Dremel verzichtet, da die Konturen mit einem rotierenden Werkzeug nicht scharfkantig ausgeführt werden können. Stattdessen habe ich aus kleinen Feilen mit verschiedenen Querschnitten "stechbeitelähnliche" Instrumente geschliffen, mit denen ich die Kontur ausgekratzt/-geschabt habe.
Vermutlich ähnliche Techniken mittels Silexwerkzeugen wurden früher von Eiszeitjägern angewendet. Die meist mit Tierbildern versehenen Hakenenden gehören zu den schönsten Werken steinzeitlicher Kleinkunst.
Noch ein Wort zum Mammut: Die Begriffe Eiszeit und Mammut sind irgendwie untrennbar miteinander verbunden. Dieses imposante Tier beeindruckte schon früher die Menschen des Spätpleistozäns, was durch zahlreiche Höhlenmalereien belegt ist. Ob Klimaveränderung oder übermässige Bejagung das Aussterben der wollhaarigen Riesen herbeiführte, ist nicht ganz geklärt. Auch heute noch ist der Anblick eines Mammutskeletts im Museum ein beeindruckendes Erlebnis.

 
 
 
 
 
 

Vom Schuhverkäufer erfunden?

Die obige Speerschleuder könnte schon eher als Wurfbrett bezeichnet werden. Die Länge beträgt 54 Zentimeter bei einem Gewicht von nur 80 Gramm. Das Design dieses Atlatls ist angelehnt an eine Bauform, die als 'Basketmaker'-Stil bekannt ist.
Zur Verwendung kam hier Buchenholz. Die Oberseite ist leicht konkav ausgeschliffen, die Unterseite konvex. Die aufgeleimte Rippe zwischen den seitlichen Aussparungen ist geschichtlich nicht belegt. Sie dient zur Verstärkung des ausgedünnten Griffbereichs. Ein Prototyp aus ziemlich frischen Eschenholz ist mir im letzten Sommer bei den ersten Würfen dort gebrochen. Ich bin sicher, dass die Rippe einen weiteren Vorteil bietet. Der Zeige- und Mittelfinger werden jeweils links und recht davon in ihrer Position fixiert. Die Finger nehmen so beim Zielvorgang automatisch immer die gleiche Position ein.
Das gesockelte Hakenende besteht aus Knochen. Es ist mit dem Holz verleimt und zur Sicherung und der einheitlichen Optik wegen noch mit Zwirn gebunden.
Wie man auf dem unteren Bild erkennen kann, ist die Haltetechnik vor dem Wurf anders als bei der konventionellen Speerschleuder. Durch die Handhaltung und die Unterstützung durch die Lederlaschen wird der ziehende Abwurf erzwungen.
Eine zusätzliche Bemerkung: Das Ding wirkt so filigran, dass ich mich entschlossen habe zum erstenmal die leichteren 10 mm - Kiefernschäfte für die Speere einzusetzen.

Zur Herkunft
Basketmaker bezeichnet eine min. 2000 Jahre alte Kultur im Südwesten der USA, hauptsächlich in Arizona und Utah, aber auch in Colorado und New Mexico. Das Wort Basketmaker ist abgeleitet von dem Begriff für Korbwaren. Die anfangs nomadisch lebenden Menschen dieser Kultur, betrieben später Landwirtschaft und bauten Mais, Kürbis und Zucchini an. Sie bewohnten zuerst unterirdische Wohnhöhlen, später besiedelten sie Pueblos.

Bannerstones
Bannerstones sind Gewichte, die am Schaft des Atlatl angebracht wurden. Sie bestanden in der Regel aus Stein und wurden bei einem wie dem hier gezeigten Wurfbrett mit einer umlaufenden Nut versehen, um den Bannerstone mittels Schnur an den seitlich eingekerbten Schaft zu binden. Bei Atlatln mit einem runden Schaft wurde der Stein durchbohrt und aufgeschoben.
Der sittliche Nährwert des Ganzen ist noch nicht geklärt. Einige Archäologen denken, das der Bannerstone verwendet wurde, um die Leistung beim Wurf zu steigern. Andere Meinungen besagen, das dieses Gewicht die Abwurfgeräusche vermindert, ähnlich den Sehnendämpfern am Jagdbogen. Ebenso ist es möglich, das der Bannerstone nur rituellen oder schmückenden Zwecken diente, bzw. den Status seines Besitzers repräsentierte.
Der kalifornische Wissenschaftler Richard Baugh fand unter Zuhilfenahme von Digitalaufnahmen heraus, dass das Gewicht kaum einen Einfluss auf die Geschwindigkeit der mit einem Atlatl geworfenen Speere ausübt. Einer meiner Bekannten erzählte, dass er den Bannerstone am Schaft benutzt, weil die so bestückte Schleuder beim Zielvorgang durch das erhöhte Gewicht sicherer in der Hand liegt. Wie dem auch sei, aus Speckstein geschnitten sieht ein solches Dingens sehr dekorativ aus...


 
 
 
 
 
 

Es geht auch anders, ... wer's mag ...?!

Dieses Dingsbums ist nicht gerade der Traum des Prähistorikers aber für den Zweck, für den ich diese Schleuder gebastelt habe, durchaus sinnvoll. In Verbindung mit den zerlegbaren Speeren passt es wunderbar in den Kofferraum meines kleinen Autos. Das Set könnte vielleicht als 'Reise-Necessaire' bezeichnet werden. Die Schleuder wiegt nur 120 Gramm bei einer Gesamtlänge von 59 Zentimetern. Der Korkgriff entstand aus einem Schleifklotz aus dem Baumarkt, der Schaft besteht aus einem Alurohr mit dem Durchmesser 16 mm, durch Anrauhen und Holzleim ausreichend im Griff fixiert. Ursprünglich sollte hier ein Carbonrohr zum Einsatz kommen, doch in 'Sichtoptik' bei diesem Durchmesser war es nahezu unbezahlbar. Das eingeklebte Hakenende besteht aus Titan, und das auch nur, weil ich es gerade hatte. Ein Stück Aluminium wäre auch ausreichend gewesen.
Für die drei gebauten Speere benutzte ich 12mm-Kiefernrundholz. Die Verbindungsrohre bestehen aus Alu-Drehteilen mit dem Durchmesser 16 mm. Vermutlich würde aber auch eine Wandstärke von einem Millimeter ausreichen, d. h. ein Rohr 14x1 könnte verbaut werden. Das Endstück hat keine Funktion, es dient lediglich der optischen Gleichmässigkeit. Ein solcher Speer wiegt 160 Gramm bei gut 2 Metern Länge und ist somit knapp 25 g schwerer als die von mir benutzten 'konventionellen' Speere.
Das Ganze stellt nur eine nette Bastelei dar und darf natürlich bei prähistorischen Wettkämpfen nicht benutzt werden. Zur Zeit entsteht ein dazu passender zerlegbarer Bogen mit einen leichten Zuggewicht von 30-35 lbs.
Und dann geht's rund...
Getreu dem alten Pfadfinder-Motto: "Allzeit bereit!"

 

Bemaßte 1:1-Zeichnungen von Speer und Spleissrohr sind im Download-Bereich als PDF-Dateien abgelegt

 
 
 
 
 

Ein Blick nach Südostasien

Das hier gezeigte übelste Machwerk ist den Schleudern vom Sepik-River in Papua-Neuguinea nachempfunden. Die Gesamtlänge beträgt 85 Zentimeter bei einem Gewicht von nur 230 Gramm. Dieses niedrige Gewicht resultiert aus der Verwendung von leichtem Bambusrohr für den Schaft. Ich habe mit diesem Bau versucht, eine für diese Gegend charakteristische Schleuder herzustellen.
Allerdings reicht mein handwerkliches Geschick beiweitem nicht an das der Inselbewohner heran, so dass man bestenfalls von einer Annäherung sprechen kann.

Der Sepik (ehem. dt.: Kaiserin Augusta-Fluss) entspringt in der Gebirgskette von Neuguinea und mündet nach einer serpentinenartigen Reise von fast 1200 Kilometern in die Bismarcksee. Vor dem Ersten Weltkrieg unternahmen deutsche Expeditionen die Erkundung dieses Gebietes, danach wurde die deutsche Kolonie von der australischen Regierung in Treuhandschaft übernommen.
Den Eingeborenen diente der Sepik-River jahrtausendelang als Basis zur Nahrungsbeschaffung, Transport und Kultur. Sie sind bekannt durch ihre kunstvollen Schnitzereien, ihre künstlerische Kreativität gilt in ganz Melanesien als beispielslos. Sollten sich heute Besucher in eines der Dörfer verirren, werden aus allen Ecken Schnitzereien wie Masken, Flechtwaren u. ä. ans Tageslicht gebracht und zum Verkauf angeboten. Selbst profane Gegenstände werden reich verziert. Die Boote erhalten am Bug einen ausladenden geschnitzten Krokodilskopf. Echsen und Vögel scheinen als Kunstobjekt bevorzugt zu werden.

Die Schnitzerei, (Herrn "Dremel" sei Dank), an der vorgestellten Schleuder zeigt eine Kreuzung zwischen Ente und halbem Kamel mit Echsenschwanz. Das Original ist zig Klassen besser, plastischer und "naturgetreuer" und ich kann mir trotzdem nicht vorstellen was es wohl sein kann - Schnecken-Ente vielleicht?
Die Bindungen am Original sind kunstvoll verknüpfte Korbflechtereien. Da ich so etwas nie lernen werde, habe ich Rattan einfach nur um den Schaft gewickelt. Die Ansätze dieser Wicklung sind mit Flachs kaschiert. Um zumindest etwas zu verbauen, was an authentisches Material erinnert, besteht die geschnitzte Figur aus Palmenholz. Der vordere und hintere Abschluss wurden aus Ebenholz gedrechselt. Der hintere Schleuderschaftabschluss bildet gleichzeitig auch die Aufnahme des Speeres.
Wie der geneigte Leser vermutlich schon erkannt hat, handelt es sich bei der Schleuder um den femalen Typ, d. h. das Schleuderende besitzt keinen Haken, sondern eine Ausbuchtung, welche das halbkugelige Speerschaftende aufnimmt. Ein möglicher Vorteil ist vielleicht das schnellere 'Laden' des Systems Schleuder/Speer.

Der Speer besteht aus einem Hauptschaft aus Kiefernholz und angespleisstem, gebarreltem Vor- und Endschaft aus Palmenholz. Er hat eine Länge von gut zwei Metern. Die Befiederung, reine Spekulation und Phantasie, setzt sich zusammen aus jeweils zwei hintereinander angesetzten Truthahnfedern mit voller Länge (gesamt 42 cm lang). Die Spitzen sind aus Ebenholz. Im Original war gerade wohl die gezahnte Spitze bevorzugt worden, allerdings in schlankerer und wesentlich längerer Bauform. Die Bindung zwischen Spitze und Vorschaft besteht wiedrum aus Rattan. Durch das schwerere Palmholz ist das Gewicht ca. 30 Gramm höher als bei meinen konventionellen Speeren. Originalspeere sollen in der Länge zwischen 1,5 und 4 Metern betragen haben. Ähnlich lange Geschosse lassen sich bei den australischen Aborigines finden.

Beim Wurf wird die Schleuder in der Hand gedreht, so dass die geschnitzte Figur in etwa in einem Winkel von 45 Grad nach aussen steht. Der aufgelegte Speer wir somit dann nicht behindert und könnte sich ggf. an der Schnitzerei zusätzlich abstützen. Die hier geschilderte Haltung beim Schleudern ist durch ein zeitgenössisches Foto belegt.

Wer weiteres Interesse hat:
Suchwörter im Internet sind "sepik" "schleuder" für wissenschaftliche Berichte und Reiseberichte und "sepik" "atlatl" "thrower", was meist auf Auktionen und ähnliche kommerzielle Seiten verzweigt.

Interessante Links zum Thema:
http://www.ub.bildarchiv-dkg.uni-frankfurt.de/Bildprojekt/Lexikon/K/Kaiser-Wilhelmsland.html
http://www.msu.edu/~oberg/newguinea/newguinea.html

Materialquelle:
Im exotischen Dortmund wächst Bambus
gleich neben der Bundesstrasse B1 ;-)

 
 
 
 
 
 

Mit der Kuh per Du...

Diese leichte Schleuder wiegt nur knapp 90 Gramm bei einer Gesamtlänge von 57 Zentimetern. Das Hakenende besteht aus Büffelhorn. Aus Gründen der optischen Ausgewogenheit wurde vor dem Griffbereich als Schaftabschluss eine Spitze aus demselben Material angebracht. Die andere Hälfte des Horns, rund geschliffen, dürfte dafür ausreichen. Der noch mit der Rinde behaftete Schaft aus einem einfachen Haselschössling steht in reizvollem Gegensatz zu den polierten Enden. Die Bindungen aus gezwirnten Leinfasern sind in Holzleim eingelegt.

Die Bauweise ist sehr einfach gehalten. Eine etwas grössere Hornspitze mal nicht als Bogentips verwursten, sondern längs halbieren und dann ein zweiter paralleler Sägeschnitt um die gewünschte Dicke zu erreichen. Horn ist ziemlich weich und lässt sich gut raspeln, feilen, schleifen und polieren. Anschliessend die Kontur des Hakenendes herausarbeiten und die Kanten verrunden. Die verschiedenfarbigen Schichten des Horns treten dabei dekorativ zu Tage. Das Hakenende besitzt eine doppelte Basisabschrägung, die fest in dem hinteren Schaftschlitz steckt. Die vordere Hornspitze wurde mit einem längs in Schaft und Spitze sitzenden Holzdübel fixiert.

Der Schaft zeigt eine Besonderheit. Er wurde in frühen Kindheitstagen von dem Gemeinen Waldgeissblatt (Lonicera periclymenum) angefallen, dessen Ranken im Laufe der Zeit tiefe Nuten in die Oberfläche des Hasels würgten. Das Geissblatt, auch Heckenkirsche genannt, ist eine Kletterpflanze, die über grosse Teile Europas verbreitet ist. Sie wächst wild in Wäldern oder buschreichen Gegenden und bildet dort bis zu ca. 25 Meter lange Lianen. Ihre Blütezeit ist im Juli. Später entwickeln sich dort rote Beeren. Diese Früchte sind giftig und können Brechdurchfälle verursachen.

Ein Tipp: Hornspäne sind ein guter biologischer Dünger. Unsere Trompetenblumen sind dafür sehr dankbar!